#Folge 2 - Umgang mit der oft unausgesprochenen, aber präsenten Frage: „Warum ich?“
Shownotes
In der zweiten Folge sprechen Archie Clapp und Anna Wagener über den Umgang mit der oft unausgesprochenen, aber präsenten Frage: „Warum ich?“
Sie teilen persönliche Gedanken und Erfahrungen rund um Schuldgefühle, Sinnsuche und innere Konflikte, die nach einer Transplantation entstehen können – sowohl aus der Sicht einer Betroffenen als auch aus der Perspektive eines Angehörigen.
Gemeinsam sprechen sie darüber, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Frage umgehen und welche Wege helfen können, einen eigenen, hilfreichen Umgang damit zu finden.
Transkript anzeigen
00:00:01: Herzlich willkommen bei Transplant Talk, der Podcast über das Danach.
00:00:08: Und damit herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge TransplantTalk heute mit Anna!
00:00:15: Sie sitzt mir nebenan...neben mir kann man sagen?
00:00:19: Anna ist herztransplantiert und Psychologin
00:00:23: Genau, und ich sitze ja heute mit Archie.
00:00:25: Archie ist Comedian- und Vater einer lungtransplantierten Tochter.
00:00:30: Ich
00:00:30: bin froh, dass ich noch heute neben dir sitzen darf und du mich nicht ersetzt hast.
00:00:33: Ja gut
00:00:34: ne?
00:00:34: Gut.
00:00:34: Ähm genau Transplantalk ist ein kürzeres Format wo man gezielt über bestimmte Themen spricht.
00:00:42: Heute haben wir einen sehr sehr sehr spannenden Thema mitgebracht.
00:00:46: Willst Du es kurz antiesern?
00:00:48: Ja und zwar unterhalten wir uns heute über die Frage warum Ich und wie man mit dieser Frage auch umgeht, also Umgang mit der Frage warum ich.
00:00:58: Sollte ich mal vorpreschen?
00:00:59: Ich weiß noch was du mir vorbereitet hast.
00:01:00: Pass auf!
00:01:02: Ich war beim Warten auf ein Organ für meine Tochter.
00:01:07: in das Zimmer wurde eine herztransplantierte Jugendliche reingeschoben... ...für einer Routinekontrolle zwei Jahre nachdem sie transplantiert wurde.
00:01:17: Und ich war dann so cool die erste Begegnung mit jemand, der transplantiert ist.
00:01:22: Ich frag sie mal was für Sie wenn sie so nochmal überlegt bei diesem ganzen Prozess am anstrengendsten war.
00:01:29: und sie hat dann Überlegungen gesagt ja ich habe mir immer die Frage gestellt warum?
00:01:33: Ich!
00:01:34: Ja
00:01:35: Und... Der Vater von ihr ... fand es auch ganz ungerecht, dass seine Tochter krank ist.
00:01:41: Du fangst doof und konntest gar nicht annehmen, es über den Flur gelaufen hat gesagt.
00:01:45: Ich könnte heulen wenn ich die ganzen Fotos sehe von diesen Kindern, die krank sind.
00:01:48: also so ne?
00:01:49: Und ich das so... Also wenn ich über den Fluhr laufe seh' ich ganz vielen Kindern denen geholfen wurde.
00:01:54: Also das ist sozusagen aber diese zwei Perspektive.
00:01:56: Ja siehst du ja!
00:01:57: Und ich glaube da steckt schon auch viel drin, wenn deine Familie das nicht annimmt.
00:02:03: Diese Krankheit und eine Akzeptanz, glaub ich fällt dir das auch noch schwieriger.
00:02:08: Dann habe ich meine Tochter gefragt.
00:02:11: Warum glaubst du, dass du diese Krankheit hast?
00:02:15: Und sie sagte... Weil Gott mich liebt und er weiß, ich mag Krankenhäuser!
00:02:21: Ja gut.
00:02:22: Also ich bin Arteist, meine Frau auch absolut!
00:02:25: Keine Ahnung woher das kamen.
00:02:27: Sie durfte zum Religionsunterricht ist aber jetzt nicht verboten, es zu
00:02:29: gehen.
00:02:30: Aber diese Perspektive will ich noch nicht mehr fressen.
00:02:33: Was sind das für eine Aussage?
00:02:34: Das war in dem Moment wahrscheinlich ihre Strategie damit umzugehen.
00:02:37: Ich habe sie gestern nochmal gefragt und also zwei Jahre nach der Transplantation eine Frage die in ihr immer noch arbeitet ist Wann hat diese Krankheit stattgefunden Wie?
00:02:50: Seit wann.
00:02:51: Und darauf gibt es keine Antwort, in dessen Frage die Nähe pendelt.
00:02:55: Also sie hatte idiopathische Pulmonale, arterielle Hypertonie, das ist eine Krankheit.
00:02:59: Idiopathisch heißt halt einfach man weiß den Ursprung nicht, man weiß nicht wann sie's hatte im Januar weil die Diagnose im April hat sie ne neue Lunge schon gehabt.
00:03:07: d.h.
00:03:08: also keine Zeit ... irgendwas zu verstehen oder zu verarbeiten in der Zeit.
00:03:12: Aber das ist eher eine Frage, die ihn arbeitet und gar nicht so die Frage warum ich?
00:03:16: Weil das ist so... Sie hat ne Lunge... Die Lunge hat einen Namen, die Lunge hatte eine
00:03:20: andere
00:03:20: zu ihr und so.
00:03:22: Ja finde ich gut.
00:03:23: also letztendlich ähm... Also die Frage Warum Ich, die hat mich eigentlich schon begleitet seit ich tatsächlich ganz geboren aber seit ich ja dann meinen... Also ich habe ja einen angeborenen Herzfehler gehabt.
00:03:38: Und Ich würde sagen, ja okay nein das stimmt auch nicht.
00:03:43: Es fing an eigentlich als es mir wirklich schlecht ging im Rahmen der Transmutation.
00:03:46: da fing das an.
00:03:47: warum ich, warum habe ich das alles verdient?
00:03:49: Ja so mit sechzehn fing das dann an genau.
00:03:52: Echt aber verdient heißt gesteuert von der Macht?
00:03:56: Ja doch das war bei mir ein ganz großes Thema immer so äh...ich muss mich ja irgendwo daneben benommen haben oder Für was werde ich bestraft, dass sich das jetzt verdient hat?
00:04:08: Gar
00:04:08: nicht in dem religiösen oder gläubigen Kontext sondern einfach so wie eine... Ja verstehe.
00:04:12: Ja ist die Frage ne, religiöser Kontext.
00:04:14: Diese Frage warum ich is ja eh so ein bisschen.
00:04:17: also dann denkt man ja ähm also dann man denkt ja irgendwie es gibt einen Grund warum.
00:04:25: also man hat ja einen Fehler gemacht sonst würde man's ja nicht denken.
00:04:28: also.
00:04:29: Ich glaub das gehört doch!
00:04:31: wenn es keine Macht gibt, nicht mal ein Gott glaubt.
00:04:34: Ich glaube, dass die Frage automatisch hochkommt, warum ich?
00:04:39: Weil's ungerecht ist und die Antwort ist weil es ungerecht
00:04:43: isst.
00:04:43: Ja, ist das ja auch genau absolut.
00:04:46: Aber
00:04:47: warum muss es mich treffen?
00:04:48: ausgerechnet also kann ich mir schon vorstellen, dass das eine Frage ist unabhängig von des hat das wurde gemacht oder es gesteuert oder es gibt keinen Zugang oder wie auch immer sondern einfach wirklich dieses Warum musste es mir passieren?
00:04:59: Gefühl schreit es ja nach einer Nicht-Akzeptanz auch, oder?
00:05:03: Ja genau.
00:05:04: Also nicht Akzeptanz und ich glaube vor allem auch also wenn ich sehr psychotherapeutisch ein Ordnen müsste würde ich sagen in dem wir eine Antwort finden würden auf dieses Warum.
00:05:15: Ich Würden wir das alles ja wieder kontrollierbarer machen weil wir dann ja Also, ich hab grade überlegt, ob das mit Schuld zusammenhängt.
00:05:24: Und wir Menschen fühlen uns ja nur für etwas schuldig, weil wir denken ... Wir tragen Mitschuld und wir können's dann beim nächsten Mal besser machen.
00:05:33: Das heißt, ich glaube in dem Moment, warum ich könnte ja dann ... Wenn wir die Antwort finden?
00:05:39: Ja okay, weil ... Dann könnt ich es ja wieder... also dann habe ich ja irgendwas wieder in der Hand.
00:05:45: Weißt du was ich meine?
00:05:46: Ja voll!
00:05:47: Dann wirds kontrollierbarer bei so ... Du
00:05:48: hast es sehr gut grad wie für so ein ... Kind erklärt, sodass ich auch dem folgen könnte.
00:05:53: Sehr gut!
00:05:53: Ja, ich bemühe mich das auch hier...
00:05:57: Dass du alle mitnimmst?
00:05:58: Auch für
00:05:58: dich?
00:05:58: Für mich.
00:05:59: Auch für
00:05:59: Dich?!
00:06:00: Was ist denn jetzt mich interessiert was es deine als Persu- also Du als sechzehnjährige hast ja viel diese Frage beschämt.
00:06:07: Hast du eine Antwort schon dann irgendwann gefunden, die du bis heute trägst?
00:06:12: Also
00:06:12: als Person?
00:06:14: Ich musste lange mit dieser Antwort ringen.
00:06:19: Und bin irgendwann zu dem Ergebnis gekommen es gibt einfach keine Antwort weil das ist einfach reiner Zufall ob es eintrifft oder nicht.
00:06:27: Es ist reiner Zufall, ob man diejenige oder derjenige ist, der krank wird... ...es ist einfach scheiße!
00:06:33: Es ist Scheiße, es ist Pech, es is dumm gelaufen so aber es gibt keinen Grund warum es eindrifft?
00:06:40: Es ist einfach einer Zufahl.
00:06:42: Okay
00:06:43: ich habe die Perspektive weil die Welt ungerecht ist.
00:06:48: Ja auch natürlich klar.
00:06:50: Es gibt keine Gerechtigkeit einfach.
00:06:51: Nee,
00:06:52: gibt's nicht.
00:06:53: Nee, ich hatte auch versucht und das finde ich auch ganz schön die Perspektive.
00:06:57: Auch nicht ich als Psychologin sondern ich wirklich als Patientin oder Herztransplantierte.
00:07:02: Warum ich vielleicht?
00:07:04: Aber das ist auch schon ganz schön da.
00:07:05: Also dann nehme ich mir auch schon viel wieder raus.
00:07:07: Vielleicht bin ich auch irgendwie dazu da um jetzt was Schönes weiterzugeben ... also um irgendwie...
00:07:14: Als Therapeute oder du als Person nicht?
00:07:15: Nee, als Mensch.
00:07:16: Vielleicht kann ich auch irgendwie anderen was mitgeben das jetzt mehr Lebensfreude und mehr Positivität dass man vielleicht bin ich zu etwas höherem bestimmt
00:07:27: keine Ahnung.
00:07:27: Aber das Gefühl hast Du gehabt?
00:07:29: Oder hast Du manchmal?
00:07:30: Ich rede es mir glaube ich ein als Coping-Strategie
00:07:33: Ja voll gut weil eine sehr nahestehende Person hat auch gesagt ja die Kinder suchen sich die Familie aus wo sie diese Krankheit haben können.
00:07:42: Und du denkst, nein, Bullshit, fuck, never!
00:07:45: Ich war in der fucking Kinder- und Jugendpsychiatrie, ich hab kranke Kinder gesehen von kranken Eltern und denkst so ... Du kriegst nicht das was du bewältigen kannst, du krieg's das was tu kriegts.
00:07:53: Wenn du es bewältig'n kannst und die Kraft hast, super.
00:07:56: Ja eben.
00:07:56: Aber äh ja, du bekommst was du kriegs'.
00:08:00: So... Ich weiß nicht ob ihr oder ob du schon die Erfahrung gemacht hattest, ich habe viel durch die Social Media gemacht.
00:08:06: Ähm viele transportierten vor allem gehen ja mit dieser Frage um, warum ich.
00:08:12: Dass sie danach finde ich sehr viel dafür tun, um es irgendwie wieder gut zu machen?
00:08:19: Also viele engagieren sich ja, finde ich sozial oder zum Thema Organspende oder keine Ahnung, ich würde mich dazu zählen!
00:08:26: Ich habe jetzt das Buch geschrieben vielleicht auch so meinen zurückgeben, so Warum Ich?
00:08:33: weil... ich weiß nicht ob Maler das irgendwann so hatte oder ihr als Eltern Warum eigentlich auch ich vorrangig bei den anderen?
00:08:43: Also warum durfte denn ich das Organ haben und andere nicht.
00:08:48: Das ist ja auch wieder so eine Frage, gar nicht so, warum bin ich erkrankt, sondern warum durften ich jetzt das Organ bekommen?
00:08:55: Weil
00:08:55: sie einen hohen Score hatte, weil sie ein Kind ist.
00:08:57: Ist die Rationale aber emotional gesehen.
00:09:01: Bin ich total... also stelle ich mir diese Frage gar nicht interessant, weil ich halt einfach denke dafür gibts da fucking Kommission, die ist entscheidet.
00:09:11: Dafür sind
00:09:11: Ärztin zuständig!
00:09:12: Dafür gibt es Ethik-Kommissionen... Ich hab keine Ahnung.
00:09:14: Gibt's Ethikkommission dafür?
00:09:16: Ja wahrscheinlich.
00:09:16: Also auf jeden Fall nicht ich was gut isst.
00:09:20: Ich könnte sowas gar nix.
00:09:21: Nee, denn
00:09:22: wir haben Gotteswillen.
00:09:23: Das
00:09:23: ist auch für andere oder so.
00:09:24: Ja krass,
00:09:26: oder?!
00:09:27: Da entscheidet jemand ja du und du nicht.
00:09:29: Genau und am Ende des Tareges sind das dann doch Parameter und nie persönliches an denen festgemacht wird.
00:09:36: Ja, ändert
00:09:38: glaube ich aber nichts an der emotionalen Komponente dahinter.
00:09:41: Also ich habe mich immer ein Stück weit schuldig gefühlt.
00:09:44: warum durfte ich denn jetzt High Urgent gelistet werden und andere nicht?
00:09:48: Das war schon immer so eine Komponentin bei mir
00:09:52: auch.
00:09:52: Okay andersrum gefragt weil ich kenne auch eine Person die transplantiert ist die Feier zum Beispiel den Ich weiß gar nicht an welchem Tag sie transplantiert wurde, genau.
00:10:02: Weil es halt vorher und nachher ... Genau?
00:10:04: Interessant mit deiner Reaktion!
00:10:07: Ja?
00:10:07: Genau weil wenn man länger ein Koma vorher war oder so... Und dann auch gar nichts sich damit beschäftigen will sondern einfach sagt ich habe hier mein Leben und dann auch so nach der Frage wie ist das mit so ... Denkst du manchmal an die andere Person?
00:10:22: Nee, ist ja eh gestorben.
00:10:23: Also so zack.
00:10:27: Deswegen meine Frage.
00:10:30: Ist man als transplantierte Person der Welt oder jemandem etwas schuldig?
00:10:37: Tja, wäre noch mal eine ganze Folge wert, glaube ich, Thema Schuld weil ich glaube das Thema Schuld da kann man... Also ich weiß es nicht vielleicht Keine Ahnung, wir müssen unsere Zuhörerinnen dann fragen.
00:10:53: Weil auch Fragen weil ich finde das Thema Schuld ist riesig.
00:10:56: also für mich war es oder ist immer noch ein riesiges Thema und ich glaube dass viele viele transplantierten.
00:11:02: danach Denken Sie, müssen etwas wieder gut machen.
00:11:06: Wow!
00:11:07: Also mein erster Gedanke ist so ... Nein Mann!
00:11:09: Echt?
00:11:10: Du bist geboren und hast eine Krankheit gekriegt, die ungerecht ist.
00:11:14: Warum ich?
00:11:14: Weil es fucking ungerecht
00:11:16: warst.
00:11:16: Ja ja ja, das tut gut.
00:11:16: Dann
00:11:16: kriegst du ein Organ überlebst.
00:11:18: Hast trotzdem mit anderen Themen musst du dich beschäftigen wenn du sozusagen ein gutes Leben haben möchtest.
00:11:26: Und dann hat man doch nicht noch die Aufgabe etwas Gutes zu tun.
00:11:32: Das
00:11:32: ist krass.
00:11:33: Ja, so sind die... also würde mich interessieren.
00:11:35: So weil wie gesagt hier sitzen ja zwei Lebenbeispiele, die damit ganz anders umgehen.
00:11:41: und wenn man dann doch zweimal drüber nachdenkt?
00:11:43: Also das ist der erste Reflex im Kopf.
00:11:45: Wenn du dann zweimal darüber denkst naja!
00:11:47: Also ich achte schon sehr drauf meiner Tochter ... auch mitzugeben, dass sie eine Verantwortung hat für das Organ.
00:11:56: Weil sie es bekommen hat?
00:11:58: Ja, siehst du!
00:11:58: Das heißt da geht's schon um... Achte drauf, dass es dir gut geht.
00:12:02: Achtet darauf, dass du die Medikamente regelmäßig nimmst.
00:12:05: Achte darauf, ne?
00:12:07: Dass man sozusagen auch gut mit diesem neuen Organ umgeht weil ist dann doch jemand anders nicht.
00:12:12: also da kommt der Gedanke dann schon hoch zu sagen naja jemand anderes hätte es Sonst kriegen können, deswegen ist man schon in der Verantwortung zumindest gut sich ums Organ zu kümmern.
00:12:22: Also soweit würde ich erst mal mitgehen.
00:12:24: Ja okay aber da sind wir ja auch schon wieder mehr so beim Umgang dieser Frage.
00:12:28: und vielleicht also da jetzt die nicht einmal eine persönliche bzw.
00:12:33: natürlich hat mir dann ja auch meine psychotherapeutische Seite irgendwann auch bei meiner persönlichen Seite geholfen gar keine Frage.
00:12:41: Als Therapeuten würde ich sagen, wie gehe ich damit um?
00:12:44: Ich glaube es haben auch nicht nur Transplantierte sondern irgendwie auch jeder Mensch der irgendwie körperlich oder auch psychisch erkrankt ist.
00:12:51: Klar die Frage warum.
00:12:52: ich meinst du ne?
00:12:52: Genau
00:12:53: also das erlebe ich täglich in meiner Arbeit als Therapeutin und ich glaube da gibt's mehrere Wege.
00:13:02: Also einmal erstens sich wirklich klar zu machen Es gibt keinen Keine Antwort auf diese Frage, warum ich so.
00:13:10: Und dann zweite Stichwort würde ich sagen Mitgefühl für einen selber auch haben weil...
00:13:17: Aber Julio wenn ich einhacke, du sagst es gibt keine Antwort aber wir beide haben noch ziemlich klare Antworten drauf.
00:13:23: Findest
00:13:23: du?
00:13:23: Du sagst du weil's Zufall ist das eine ganz klare antwort
00:13:27: Ja, aber ich finde wenn man anfängt also mir ging es jahrelang so dass sich gesagt habe ich will diese konkrete Antwort finden warum hat das mich getroffen und wieso?
00:13:35: weshalb?
00:13:35: was soll ich machen aus meinem Leben.
00:13:37: Und sowas ist der Sinn dahinter?
00:13:41: Warum hab' ich das bekommen?
00:13:43: Es gibt keinen
00:13:43: Sinn.
00:13:44: Das ist Zufall.
00:13:45: Aber du bist zu einem ganz klaren Entschluss gekommen!
00:13:48: Also ist das doch eine Antwort?
00:13:51: Ist
00:13:51: die Antwort zufriedenstellen?
00:13:52: Okay, es gibt keine befriedigende Antwort auf das Gefühl... Genau.
00:13:56: Ich
00:13:59: weiß nicht, für mich geht in Richtung Akzeptanz wenn ich sage okay es gibt keine Antwort darauf.
00:14:06: ist es reiner Zufall.
00:14:07: und das erstmal zu verstehen und zu verarbeiten und zu akzeptieren dass es wirklich nicht an einem selber liegt dass man ja krank geworden ist oder dass man irgendwie was falsch gemacht hat.
00:14:19: das ist glaube ich Punkt eins und Punkt zwei würde ich sagen wie gesagt mitgefühl Patienten immer so auch, sich das auch mal zu erlauben.
00:14:30: Zu sagen wie beschissen ungerecht es auch einfach alles ist und war oder immer noch ist also keine Ahnung.
00:14:37: dann mache ich so eine Übung schick die nach Hause sagt nehmen sie sich zehn Minuten pro Tag Zeit wo Sie sich auch möglich mal nicht bemitleiden.
00:14:45: Ich sag's ja immer mit Gefühl nicht Mit Leid weil Es gehört dazu Sag einfach, also dann weine.
00:14:51: Dann sag wie beschissen einfach alles ist weil es ja auch einfach beschissen ungerecht so und ich glaube das gehört auch mal dazu sich dass zu erlauben zu sagen Ja Ich bin einfach ungerecht behandelt worden.
00:15:04: So Und das ist.
00:15:05: glaube das hat mir irgendwann wirklich geholfen zu sagen gut Ich erlaube mich jetzt auch Mal wirklich Mir zu einzugestehen oder mir zu erlauben Dass Es Alles Einfach Scheiße Gelauchen Ist.
00:15:20: Und du sagst, so einen Rahmen von man hat zehn Minuten.
00:15:23: Da kann man weinen, da kann man schreien, dann kann man es auslassen und so.
00:15:27: Das heißt aber... und glaubst du, dass man das regelmäßig machen kann?
00:15:30: So Zeit nehmen
00:15:33: für
00:15:34: dieses Gefühl von, das ist hier ungerecht um dem einen Raum zu geben?
00:15:38: Ja absolut.
00:15:39: Das ist ja das was ich viel mit meinen Patienten generell mache Emotionen einfach da sein lassen rauslassen benennen fühlen nachfühlen da also einfach Ja, spüren und die Berechtigung ist ja da.
00:15:56: Und das war die Übung, die du vorher schon gesagt hast, die Du ansprechen würdest?
00:15:59: Nee tatsächlich ist es noch ein bisschen eine andere Übung aber dafür müssen wir unsere Mikros aus der Hand machen.
00:16:03: Aber ich kann sie ja mal erklären.
00:16:04: Ja
00:16:04: erklärt doch mal die.
00:16:05: Okay
00:16:06: also die Übungen heißt einfach ne ganz kleine Übung die dauert nicht lange.
00:16:09: Die kann man sich eigentlich jeden Tag machen und das wirklich schön finde ich.
00:16:12: Die mache ich auch viel mit meinen Patienten.
00:16:14: Einfach die ja eine selbst wohl fühlende Umarmung nennt man das eigentlich und zwar so dass man die Arme über Kreuz auf dem Brustkorb legt, als ob man sich selbst umarmt.
00:16:27: Und dann eben...
00:16:28: Du erklärst es und ich mach's vor für die Kamera!
00:16:30: Falls wir das irgendwann mal zeigen, falls nicht?
00:16:31: Du musst natürlich weiter erklären, dass die Zuhörer erinnern, aber ein Podcast auch mitkriegen, was du erzählst.
00:16:35: Ja,
00:16:36: macht das.
00:16:37: Okay also ganz entspannt hinsetzen so am besten vielleicht sich auch noch irgendwie eine Decke oder ne setz dich mal lieber hinten ran.
00:16:46: So, genau.
00:16:47: Decker Tschey!
00:16:48: Was ihr wollt, nehmt euch Zeit für euch.
00:16:51: Musik wenn ihr möchtet und jetzt die Arme über Kreuz über dem Brustkorb.
00:16:54: Genau als ob dich jemand umarm würde.
00:16:58: Und jetzt abwechselnd links und rechts drücken so das kannst du ja auch die Augen schließen wenn du möchtest und nimm dir wirklich Zeit für Dich und guck wie es sich anfühlt.
00:17:07: Guck wie was für eine Wirkungsaufdicht hat ... fester drücken, weniger festdrücken und dann einfach so.
00:17:14: das müsste jetzt deinen Parasympathikus aktivieren.
00:17:18: Und guck was es für eine Wirkung auf dich hat!
00:17:20: Das ist eigentlich wenn du dich wirklich drauf konzentrierst ne wirklich wirklich schöne Übung.
00:17:24: Genau.
00:17:25: Und dafür werde ich mir mal zur Hause Zeit nehmen um das auszuprobieren.
00:17:28: wie lange soll ich mich umarmen?
00:17:30: So lange wie du möchtest?
00:17:31: also das obliegt ganz dir tatsächlich cool
00:17:35: Da freut mich schon.
00:17:37: Also es macht sofort was mit einem, wenn man in sich rein spürt.
00:17:42: Wofür ist die Übung da?
00:17:44: Einfach dass man sich selber auch spürts Mitgefühl mit sich selbst hat.
00:17:49: und wenn man's gerade braucht irgendwie mal nur um Armung weil wie gesagt ja die Frage Ungerechtigkeit ja und dann gehört auch Trost.
00:17:58: dazu finde ich manchmal so.
00:18:00: und wenn er gerade keinen hat der einen Trost gibt kann man sich das auch selbst geben.
00:18:06: Du hattest vor der Podcastfolge noch gesagt, also gibt so drei Perspektiven die du hast.
00:18:11: Die eine ist eine therapeutische Perspektive oder psychologische Perspective wo du gerade schon drüber geredet hast, die andere is ne persönliche wo du auch schon gesagt hast ein bisschen diese Frage hat sehr in dir gearbeitet.
00:18:24: Ähm, was war die dritte Perspektive?
00:18:26: Deine.
00:18:27: Oh mein Gott!
00:18:28: Nein okay, können wir auch schon... Deine
00:18:30: will ich ja unbedingt hören.
00:18:31: Also als Fahrer, also ich hab mich die Frage gestellt ob es einen Unterschied gibt Umgang mit der Frage als Angehöriger oder als Betroffener.
00:18:40: Klar, also äh klar sag' ich jetzt so ein Weiß ich nicht weil ich bin ja nur Angehöriger.
00:18:49: Genau, weil in dem Fall wo meine Tochter sterben würde bin ich betroffener.
00:18:53: Weil damit ich weise einen Vater.
00:18:55: Sagt man das so ein weißen Vater?
00:18:57: Ich
00:18:57: weiß nicht.
00:19:00: So von daher ist man natürlich immer sehr nah dran.
00:19:02: Ich habe die drei Monate mit ihrem Krankenhaus gewohnt.
00:19:06: für mich war also mein ist natürlich vor allen Dingen in der Krankenhauszeit erstmal in einem Tunnel und am funktionieren für die Tochter.
00:19:15: Es gab schon Momente, wo das ganz schlimm war.
00:19:19: Wo ich am Auto einfach geschrien habe auch für mich.
00:19:21: Das war gut und mich spüren wollte.
00:19:25: Für mich war eher die Frage wie können wir es schaffen?
00:19:28: Mehr als warum ist es da?
00:19:31: also für mich war er dieses
00:19:34: vorwärtsgerichtet sozusagen.
00:19:35: dann
00:19:36: ja auch dieses muss ich meine Söhne jetzt darauf vorbereiten dass sie stirbt.
00:19:41: Wie können wir kann man also was sind die Wege?
00:19:44: Mir war es ganz wichtig, dass als das hieß wir werden nach München geflogen übermorgen.
00:19:50: Okay krass!
00:19:50: Vielleicht sehen meine Söhne und meine Tochter nie wieder?
00:19:55: Das heißt ich würde gerne die meiner Tochter noch mal sehen.
00:19:58: Und das war so.
00:19:58: ne auf der Kinderintensiv da dürfen keine Kinder rein.
00:20:01: und dann war aber klar okay vielleicht sehen sie zum letzten Mal und als das klar war hat er ober als Ausnahme gemacht.
00:20:07: Dann muss niemand getragen.
00:20:08: Da musste Fieber gemessen werden.
00:20:10: Dann durfte mein einer so nicht rein weil er erhöhte Temperatur hat.
00:20:12: natürlich war's warm er war aufgeregt Dann haben die Nummer gemessen, dann dorfte er doch noch mal kurz rein.
00:20:17: Sie hat natürlich auch nur da gelegen geschlafen.
00:20:19: wir mussten natürlich die Jungs vorher vorbereiten.
00:20:21: mit Achtung!
00:20:22: Wir machen dies natürlich an Schläuchen angeschlossen und es waren ja schon mal Fotos gezeigt.
00:20:27: damit.
00:20:27: ihr wisst also eher so mehr auf wie können wir das gut hinkriegen als warum?
00:20:34: Weil diese Warum-Fragen ist ja da
00:20:36: Ja, klar.
00:20:37: Und im Nachhinein wahrscheinlich kommt da eher die Frage nach dieser Akutphase?
00:20:42: War bei dir vorher die Frage schon da?
00:20:44: Naja dadurch dass sich meine Krankheitsgeschichte relativ lang gezogen hat ja also ich habe ja ein Jahr lang oder anderthalb Jahre lang fast irgendwie vor mich hin vegetiert und da war die Frage viel.
00:20:55: Also eher weniger... kurz nach der Transplantation, dann im Laufe der Jahre auch so.
00:21:01: Ja immer mal wieder?
00:21:02: Und jetzt
00:21:03: auch ein bisschen muss ich sagen... ja manchmal schon, also es nervt mich schon und das ist auch okay.
00:21:09: Es nervt sich aber es ist ok dass es mich glaube ich ab und zu meiner Schuhe ist.
00:21:13: scheiße!
00:21:13: Ich muss in vier Wochen wieder einen Herzgarteter, ich muss Medikamente nehmen, keine Ahnung alle vier Wochen zur Blutentnahme, ich habe noch mal manche Sachen dem Leben auf die ich verzichten muss.
00:21:26: Es darf mich ärgern, es darf mich wütend machen.
00:21:28: Es darf mir traurig machen aber ich kann's ja nicht ändern so.
00:21:32: Darum gehts glaub' ich auch.
00:21:36: Ja dem eine Haltung gegenüber zu entwickeln?
00:21:38: In dieser Frage gegenüber ne?
00:21:40: Die Frage ändert sich dann nicht, die ist ja da!
00:21:42: Ne genau und die Antwort muss jeder für sich glaube ich und vielleicht auch ein bisschen die Akzeptanz das ist niemals eine zufriedenstellende Art Antwort geben wird.
00:21:56: Ich weiß es nicht.
00:21:58: Ja, ich glaube das ist schön weil für mich, ich denke dann mal, ihr habt jetzt meine Antwort!
00:22:03: So komplex?
00:22:05: Ja genau, ich finde ja so einfach dass sie denkt so entweder umgereicht die Welt ist scheiße und wir leben und wir sterben und das gehört zum Leben der Tod Blöde Krankheiten.
00:22:16: Und es hat uns getroffen, weil ...
00:22:19: Das nehme ich jetzt mit nach Hause!
00:22:22: Aber was ich in dieser Folge voll gelernt habe ist auf dieses Gefühl von warum... Ich würde keine zufriedenen Stellen antworten.
00:22:31: Das ist total gut und wenn man das weiß, kann man auch wieder weiterkommen im Leben um voran zu kommen.
00:22:39: Wir haben die Zeit schon wieder überschritten oder erreicht.
00:22:43: Willst du noch?
00:22:45: Ich ... nee.
00:22:46: Dann mach ich ganz schnell Werbung?
00:22:48: Ja, gerne!
00:22:48: Einmal für diesen Transplant-Talk.
00:22:51: also falls ihr diesen Podcast hört und denkt boah das müssen wir unterstützen, liked ihn mit fünf Sternen überall wo jenen hört.
00:22:58: ansonsten könnt ihr auch einen virtuellen Kaffee uns ausgeben unter www.bymeacoffee.com.
00:23:04: slash Archiklub mich als Komedien könnt ihr unterstützen.
00:23:08: ich bin bei allen Social Media Kanälen Und die Anna, diese ist auch bei Social Media
00:23:12: unter anarkavagner und ich habe einen Buch geschrieben, also bald verfügbar.
00:23:19: Nicht mal mehr vier Wochen.
00:23:20: Also genau kauft es, unterstützt mich und unterstützt das Thema Garnspende weil es trotzdem schlägt.
00:23:29: überall
00:23:31: wo es Bücher zu kaufen gibt könnt ihr's dann kaufen aber guckt bei mir bei Social Media vorbei oder googelt mich dann wenn es ist und dann genau freue ich mich.
00:23:39: Ich freu mich auf die nächste Folge mit dir
00:23:41: Ich mich auch sehr.
00:23:42: Schöne Zeit!
00:23:43: Dann geht ihr auch...
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