#Folge 6 - Wie geht Schule, Freundschaft, Pubertät mit Transplantation?
Shownotes
Wie geht Schule, Freundschaft, Pubertät mit Transplantation?
In dieser Folge sprechen Anna Wagener und Archie Clapp darüber, wie sich Schule, Freundschaften und die Pubertät mit einer Transplantation vereinbaren lassen – und welche besonderen Herausforderungen dabei entstehen.
Anna, Herztransplantierte und Psychologin, und Archie, Vater einer lungentransplantierten Tochter, bringen dabei sowohl persönliche als auch familiäre Perspektiven ein und zeigen, wie unterschiedlich die Erfahrungen sein können – auch abhängig davon, welches Organ transplantiert wurde.
Sie thematisieren, wie sich längere Fehlzeiten auf die Schule und soziale Kontakte auswirken und welche Rolle Freundschaften in dieser Zeit spielen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Pubertät als Phase zwischen dem Wunsch nach Abgrenzung und Freiheit einerseits und der Notwendigkeit von medizinischen Routinen und klaren Strukturen andererseits – ein Spannungsfeld, das Konflikte mit sich bringen kann.
Außerdem geht es um Fragen der Identitätsentwicklung: Was bedeutet es, mit einer sichtbaren Narbe zu leben? Bin ich krank oder gesund – und was möchte ich anderen von mir erzählen? Auch Themen wie Ansteckungsrisiken im Schulalltag werden angesprochen.
Eine Folge, die zeigt, wie komplex das Erwachsenwerden unter besonderen medizinischen Umständen sein kann – und wie wichtig es ist, dabei seinen eigenen Weg zu finden.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Transplant Talk, der Podcast über das Danach.
00:00:08: Und damit herzlich Willkommen zu Transplant talk heute mit dem Thema wie geht Schule Freundschaft Pubertät mit Transplantation?
00:00:18: Ich sitze hier neben Anna.
00:00:20: sie ist Psychologin und Herz transplantiert.
00:00:23: Und ich sitze immer noch mit Archie.
00:00:25: er ist immer noch Vater einer lungentransfrontierten Tochter und immer noch Komedien.
00:00:30: ja Geil!
00:00:32: So, spannendes Thema mitgebracht heute.
00:00:34: Die Pubertät habe ich gar nicht... Da sind wir ... Meine Tochter wird nächste Woche Freitag erst dreizehn.
00:00:40: Ja gut aber dann geht es jetzt los.
00:00:42: Glaubst
00:00:43: du ja?
00:00:43: Wie Spaß damit?
00:00:44: Ich zieh aus.
00:00:45: Ich gehe auf Tour wieder.
00:00:46: Noch bin ich Comedian.
00:00:48: Sehr
00:00:48: gut gerade rechtzeitig.
00:00:51: Sehr schön.
00:00:52: Ja schwieriges Thema allerdings auch noch gleich drei Themen.
00:00:56: Pubertäte Freundschaft und Was war das letzte?
00:00:58: Nee, Schule.
00:00:59: Schule!
00:01:00: Ja
00:01:00: gut.
00:01:01: Stimmt ich erinnere mich an eine Szene die mir im Kopf geblieben ist, an die ich manchmal denke als du erzählt hast du wurdest herztransplantiert bist dann relativ schnell wieder in die Schule oder deine Mutter hatte dich in der Schule geschickt.
00:01:15: Warst sie Mutter oder Vater auch?
00:01:17: Mutter dafür haben Sie geliebt.
00:01:20: Und Du saß damit Handschuhen und Maske.
00:01:24: Also ich hab diese Bild im Kopf, wie ein Kind oder in dem Fall junge erwachsene Person.
00:01:30: Oder wie einfach eine Person mit Handschuhen und Masken.
00:01:33: macht man heutzutage so nicht mehr.
00:01:35: zumindest Handschuhe habe ich nicht gehört weiß ich
00:01:37: nicht.
00:01:39: Aber spannend Wie war das?
00:01:42: Ja es war ja noch.
00:01:42: also es waren ja fünfzehn Jahren muss man dazu sagen.
00:01:45: Und man muss dazu auch sagen Es war ganze sechs Wochen nach meiner Transplantation.
00:01:52: Also das muss auch dazu gesagt werden, also ich war drei Wochen im Krankenhaus normal danach drei Wochen in Reha und dann hieß es so du gehst jetzt wieder zur Schule und da ist natürlich sechs Wochen noch der Transplantations die Ansteckungsgefahr natürlich noch echt hoch.
00:02:08: ja
00:02:09: genau dann wurde überlegt Handschuhe Ja oder Nein und Mundschutz sowieso.
00:02:13: also das war sowieso
00:02:15: immer auch im Sommer.
00:02:17: Naja, ich wurde ja im Dezember transplantiert und am Anfang Februar war ich wieder in der Schule.
00:02:23: Das heißt da war das okay?
00:02:25: Ich habe das Ganze auch dann glaube ich nur so zwei drei Monate getragen und relativ schnell aufgehört muss man sagen.
00:02:30: Von selber oder weil die Ärztin...
00:02:32: Nee von selber tatsächlich!
00:02:33: Weil es mir dann doch unangenehm war.
00:02:36: Ich hatte einen kleinen Vorteil glaub' ich, weil ich ja die Monate davor schon mit dem Kunstherz auch an der Schule war Und das war ja viel sichtbarer.
00:02:47: nochmal, fand ich.
00:02:48: Also dieser riesige Kasten mit dem Kabel was aus meinem Bauch rausgekommen ist... ...mit den Batterien die regelmäßig sich gemeldet haben und ausgetauscht werden mussten.
00:02:57: Deswegen waren meine glaube ich Mitschüler innen Alle relativ schon daran gewöhnt, dass da so ein außerirdischer Alien mit Mundschutz und Handschuhen sitzt.
00:03:09: Aber es war natürlich schwierig.
00:03:10: Sie haben sich nur gewundert warum du noch nicht grün gewohnt bist?
00:03:13: Genau das war der einzige Punkt wo sie sich darüber Gedanken gemacht haben.
00:03:17: Nein aber es war schon irgendwie... Vor allem die Handschuhe auch, also so an Oberflächen.
00:03:22: Steck!
00:03:23: Überleg mal mit... Also wenn ich versuche reinzuversetzen, schreiben, ja, Stift rausholen auf Toilette gehen, was weiß ich?
00:03:30: Wo man alles die Hände benutzt und wo man dann... Trotzdem die Frage, fandest du es gut jetzt außer heutiger Sicht?
00:03:40: Man sagt ja, retrospektiv
00:03:43: betrachtet,
00:03:44: dass deine Mutter dich so schnell hingeschickt hat das war die Frage.
00:03:47: Ja, fand ich.
00:03:48: Damals fand ich's scheiße aber er hat doch jetzt so retrospektiv schon weil es hat mich einfach so schnell wie möglich wieder in die Normalität gebracht.
00:03:55: also ich hatte dann plötzlich nicht die Gedanken oder die Sorgen habe ich übermorgen eine Abstossung sondern eher die Sorge.
00:04:03: so schaffe ich über morgen meine Matheklausur oder ich muss übermorgens noch nach Hausaufgabe abgeben.
00:04:09: oder also ich war ganz schnell wieder normal und auch die ersten Partys und so, die gingen relativ schnell wieder los.
00:04:17: Also ich war Anfang Februar wieder in der Schule.
00:04:20: Ende März hatte ich mein neunzehntem Geburtstag... ...und hab eine Riesenparty gemacht mit über fünfzig Leuten.
00:04:28: Wow!
00:04:29: Zuhause?
00:04:29: Nee, in so einer Location.
00:04:31: Und das ging halt dann alles schon wieder direkt.
00:04:33: Mit Mundschutz?
00:04:34: Nein, da ist das nicht.
00:04:35: Da habe ich dann das erste Mal, glaub' ich, mir gegönnt mal ohne.
00:04:38: Mundschutzen
00:04:39: hat es schon.
00:04:39: Aber
00:04:39: da sieht man eben wie schnell das wieder normal geworden ist.
00:04:41: Und dann glaube ich, dass war so ... das Nonplus Ultra damals, um irgendwie wieder normal ... ... reinzukommen.
00:04:49: Und wie gesagt im Gegensatz zum Kunstherz war es für mich noch besser.
00:04:53: Also okay ja, ein Vergleich halt, ne?
00:04:56: Das war immer so das Ding.
00:04:58: Aber du meintest eben so... Wann ist denn Mada in die Schule gegangen?
00:05:02: Mit Lunge ist nochmal ein bisschen spezieller.
00:05:06: Ja stimmt!
00:05:06: Genau.
00:05:07: und da sagen sie einen Jahr zu Hause.
00:05:10: War sie dann auch?
00:05:11: Ach
00:05:12: krass!
00:05:13: Weil in den halben Jahren ... hat sie einfach noch mehr Immun-Suppression bekommen.
00:05:20: Ja, ja.
00:05:21: Und sechs Monate nach der Transplantation bis zwölf Monate danach ein bisschen weniger aber immer noch mehr als jetzt und das ist sozusagen einfach dass der Körperzeit tatsächlich dran
00:05:32: zu will.
00:05:33: Genau, also für uns das erste Jahr war einfach so viel, also richtig krass.
00:05:40: es war nicht so cool.
00:05:41: sie ist transplantiert, wir sind zu Hause.
00:05:43: Sondern so... Wir leben ein Jahr im absoluten Ausnahmezustand.
00:05:47: Also meine Frau oder ich mussten Zuhause sein um sich zu betreuen.
00:05:51: Wir hatten eine Lehrerin.
00:05:52: dann das läuft ja alles es dauert ewig bis es funktioniert.
00:05:56: Dann kommt die zweimal die Woche für anderthalb Stunden nach hause und dann sagen die Ja weil die Lehrerin ist eigentlich für die Schule und die Schülerin die nicht zur Schule gehen?
00:06:06: Ja genau.
00:06:07: Die ist ja auch uns zugeteilt.
00:06:11: Was sind das für eine Gerechtigkeit?
00:06:15: Muss ich
00:06:15: ihr
00:06:15: als Eltern dann selber Unterricht mit Maler machen?
00:06:19: Na ja, sollten, mussten, konnten weiß ich nicht... Also wir haben einen Freund, mit dem ich in der WG gearbeitet hatte.
00:06:28: Der hatte Sonderpädagogik studiert Und der kam dann noch zusätzlich zweimal die Woche, zwei oder drei Stunden... ...um sie zu unterrichten.
00:06:37: Er war so erstmal ehrenamtlich.
00:06:39: Dann dachte ich okay wir müssen ihn irgendwie bezahlen weil das ist auch uncool sonst.
00:06:43: und dann haben wir es aber über Jugendamt quer finanziert bekommen über Eingliederungshilfe glaube ich.
00:06:50: Gut!
00:06:50: Dann hatten wir eine Person, die gekommen ist, auch über die Eingliederungshhilfe ... ja, hat dann manchmal nicht so richtig gematcht.
00:07:00: Deshalb ewig gedauert, bis man eine Person hatte oder so und dann sind es halt mal zwei, drei Stunden Entlastung am Tag.
00:07:06: Und dadurch dass meine Frau von zu Hause aus arbeitet und wenn ich zuhause bin auch zu hause bin, ... ... sind wir trotzdem Ansprechpersonen.
00:07:13: also das war nie so richtig irgendwie luftholend.
00:07:15: Das war schon sehr Ausnahmezustand.
00:07:19: Sie wurde Ende April transplantiert... ...und nach den Osterferien ein Jahr später ist sie wieder in die Schule.
00:07:24: Also knapp einen Jahr, es waren etwa elf Monate oder so Das war dann genau.
00:07:29: Und
00:07:29: würdest du sagen, sie musste danach quasi so gut wie das ganze Schuljahr wiederholen?
00:07:34: Weil ich hatte mal... Also mein elftes Schuljahre zum Beispiel war auch komplett ein Jahr lang mich in der Schule und hab dann aber ja das Glück gehabt, weil ich noch die letzte, der letzte Jahrgang mit dreizehn Jahren Abi war.
00:07:44: Das heißt, ich habe eigentlich keines verpasst Aber ich hab quasi bei Null ja angefangen, so.
00:07:50: Bei mir hat es sich jetzt nicht so ausgewirkt.
00:07:51: aber würdest du sagen das hat sich schon ausgewirkt?
00:07:53: Ich weiß nicht.
00:07:54: wir haben die Schule gewechselt.
00:07:55: sie ist oft auf einer Schule mit körperlicher Behinderung, mit sechs Schüler in der Klasse und die haben alle ein Ding am Laufen!
00:08:01: Ich weiß gar nicht dass sie überhaupt einheitliches Material haben weil das so unterschiedlich ist in dieser Klasse.
00:08:09: Und wir machen jeden Tag haben... ...fünfzehn Minuten nach dem Abendbrot nochmal irgendwas.
00:08:16: also alle Kinder von uns So raus-aufgabensteinmäßig.
00:08:19: Und das ist mir halt echt nicht wichtig bei ihr!
00:08:22: Ja, warum nicht?
00:08:24: Weil ich denke mit einer Lunge... Ich weiß gar nicht wie lang sie lebt und was die tut.
00:08:28: Ist Schule nicht das Wichtigste im Leben.
00:08:31: Wichtig ist dass sie sich eine schöne Zeit macht.
00:08:33: Mhm.
00:08:34: Ich glaube es total wichtig Bildung zu kriegen.
00:08:38: Was bist du für ne Psychologe wenn du hier so lächelst und dein Gesicht sagst?
00:08:41: Erzähl weiter aber du erzählst scheiße Arsch.
00:08:42: Nein!
00:08:44: Nein, so mein ich das gerne.
00:08:46: Schön, dass du meinen Gesicht liest.
00:08:47: Schade, dass die unsere
00:08:48: Hürre in meinem Gesicht nicht sehen können aber...
00:08:52: Die Alien sitzt mir hier gegenüber.
00:08:53: Sie ist grün geworden mittlerweile.
00:08:55: Ja, eher rot gerade.
00:08:57: Aber nein, ich frag mich nur weil mir hat das immer sehr ... ... geholfen.
00:09:04: Also...
00:09:05: Sie hat andere Diagnosen, weiß nicht, wie weit ihr das Recht ist jetzt darüber zu sprechen?
00:09:09: Sie sind ein bisschen Entwicklungsverzöger.
00:09:11: Das sind noch andere Sachen am Laufen dass ich halt denke es ist eh schon schwieriger für sie überhaupt zurechtzukommen und deswegen machen wir einfach einen Druck.
00:09:20: Wir üben natürlich vor den Prüfungen oder so aber wir bewerten die Noten nicht oder so.
00:09:25: Und sie ist es ganz schwer überhaupt einzusortieren diese Noten und sie hat eh schon so eine druckende Unsicherheit in sich, dass ich dann denke so Wir bestärken sie da ganz positiv.
00:09:34: Aber es ist also mir persönlich, für mich persönlich möchte ich einfach dass Sie irgendwie irgendwie schafft im Leben glücklich zu sein natürlich auch irgendwann unabhängig.
00:09:43: natürlich hat das auch mit Bildung zu tun und so.
00:09:45: aber Ich bin ja auch realistisch
00:09:53: Ja ist doch gut Ja, ist halt immer so.
00:09:56: die Frage.
00:09:57: Also inwiefern... Ich glaube dieses Wie schnell geht es zurück zur Normalität?
00:10:01: Weil die Frage ist ja Pubertät, Freundschaftsschule ob das überhaupt geht mit Transplantationen also wo da das gute Gleichgewicht ist.
00:10:09: Was heißt überhaupt geht?
00:10:11: Naja also ich glaube dass Es schon eine Herausforderung auch ist Beziehungsweise meiner Schulzeit dann ja auch so dieses gleich Gewicht zu finden zwischen.
00:10:23: Also, bei mir war immer ein Riesenthema so Identitätsentwicklung dann ja auch.
00:10:28: Bin ich jetzt die Kranke?
00:10:29: Bin ich die, die transplantiert ist?
00:10:31: Bin nicht die, der eigentlich wieder gesund ist weil sie einen transplantierten Herz hat?
00:10:37: Das ist ja auch immer so ein Thema und... Ja, ich weiß zum Beispiel ... Ich war mal in so einer Jugenddreher im Thunheim.
00:10:46: Das kennen vielleicht auch einige von den HörerInnen und da war das ein Riesenvorteil für mich mit anderen kranken Jugendlichen zusammen zu sein.
00:10:54: Und eben nicht mit den gesunden Anführungsstrichen.
00:10:58: Weil das für mich deutlich mehr Zugehörigkeit dann auch bedeutet hat.
00:11:03: also Schule war für mich oft so ein Thema, du bist schon irgendwie anders.
00:11:07: Also das kann ja auch sehr auf die Psyche gehen so in die Richtung.
00:11:12: Also ich glaube, da muss man für sich selber auch herausfinden, wo möchte ich eigentlich reingehören?
00:11:21: Wie möchte ich reingehen?
00:11:22: Es war ewig ein Thema!
00:11:25: Was bin ich eigentlich außerhalb meiner Transplantation?
00:11:28: dann doch?
00:11:30: Ist interessant weil das ist eine nicht sichtbare Ebene, weil du sagst... nach der Transplantation warst du in der Schule und das war total gut, weil du warst dann wieder drin.
00:11:42: Ja.
00:11:42: Das
00:11:43: heißt einerseits bist du im Alltag wieder drinnen?
00:11:46: Ja genau.
00:11:46: Check!
00:11:47: Andererseits Transplantationsverlief in dem Fall ja auch gut.
00:11:51: Das heisst körperlich ist man auch wieder auf ner Bahn, auf ner neuen aber auf ner Bahnen checkt.
00:11:56: Aber dann kommt natürlich Das Verarbeiten wird ich sagen.
00:12:02: Und das Verarbeiten oder auch Identitätsfragen gehört ja auch zusammen, dass es halt eine Bahn die parallel läuft und halt genauso wie Pubertät vielleicht später oder früher, weil man beschäftigt sich mit ganz anderen Themen in der Zeit.
00:12:13: Das heißt, man wächst auf bestimmten Gebieten mega schnell aber nicht wie die Gleichaltrigen, weil sie ganz andere Themen haben so.
00:12:20: Genau!
00:12:20: Ja, das war ein sehr spannender Punkt.
00:12:23: tatsächlich da... musste mal meine Mutter fragen, die hat sich da sehr amüsiert mit mir glaube ich danach.
00:12:29: Dadurch dass ich ja krank geworden bin so mit sechzehn und dann ja eigentlich so zwei Jahre lang auf Pause gedrückt wurde in meinem Leben, wurde mir ja eigentlich quasi so diese ganze Phase genommen wo ich so richtig pubertär hätte sein können.
00:12:43: Das hat sich dann so geäußert, dass ich das wirklich auch danach nachgeholt habe.
00:12:47: Sprich meine ganze Pubertät wurde eigentlich nach der Transplantation nachgehult mit achtzehn und neunzehn.
00:12:53: Ich bin dann relativ schnell ausgezogen, hab relativ schnell den Abnabelungsprozess gemacht, was es ich rebelliert und gefeiert.
00:13:02: Und zurückblickend auch wirklich leichtsinnig, muss man sagen, mit meiner Gesundheit ein bisschen sogar sehr, dass mein kleiner Bruder, der drei Jahre jünger als ich ist gesagt habe, Ja, langsamer machen hier.
00:13:14: Aber ich hab das auch wirklich gebraucht.
00:13:16: Also da sieht man auch... Ich glaub' auch ein interessanter Aspekt war allerdings auch... ...ich fand's immer... ...Ich habe mich irgendwie auch geschämt dass ich das erst mit... ...Achzehn-Ninzehnen dann nachgeholt hab.
00:13:29: tatsächlich also weil ich immer dachte so hey eigentlich hättest du es ja schon mit Sechzehnt-Siebzehn machen und du benimmst dich gerade sowieso ne Vierzehnsechszehnjährige.
00:13:36: Und dann habe ich mir immer gedacht, du erlaubst dir das jetzt einmal.
00:13:42: Ich hab da auch viel nochmal drüber nachgedacht zu Hause als ich mich vorbereitet habe auf die Folge, weil ... ... einen unglaublichen Konflikt zwischen Autonomie.
00:13:53: Und du bist aber ja trotzdem in so krassen abhängigen Strukturen, ne?
00:13:57: Also du musst...
00:13:58: Transplantierte Personen meinst du?
00:14:00: Ja, voll!
00:14:00: Du musst alle vier Wochen zur Blutentnahme.
00:14:02: Du musst regelmäßig Medikamente nehmen.
00:14:04: Du bist so abhängig von dem was die Ärzte dir sagen, was deine Eltern dir sagen und was keine Ahnung davon ob andere Menschen krank um dich herum sind.
00:14:13: Du bis abhängen von deinem körperlichen Zustand.
00:14:15: Genau, ich durfte meine Freunde nicht sehen wenn die krank waren.
00:14:18: Ich durfte nicht zu Partys gehen, wenn da irgendjemand mal einen Infekt hatte oder ich ansatzweise einen Infekte hatte.
00:14:24: und auf der anderen Seite bist du aber ja so in einem Boah.
00:14:27: jetzt erst recht Modus also dieses Autonomie und wir haben uns öfter schon über diese Medikamenten.
00:14:33: Ja, ich hasse das.
00:14:34: Nein!
00:14:38: Die Compliance.
00:14:39: So dass ...
00:14:39: In Compliance?
00:14:40: Genau.
00:14:41: So unterhalten... Ich kann das schon verstehen.
00:14:42: warum viele dann das als Mittel nehmen um dann irgendwie mal so ein bisschen das Gefühl zu haben, ich gehe jetzt der Norm nicht nach.
00:14:51: Also irgendwas
00:14:52: zumindest.
00:14:52: Aber glaubst du weil es so Druck beladen ist?
00:14:55: Ich glaube es ist schon ein Thema.
00:14:56: also es ist zumindest einen Mittel.
00:14:58: Okay wenn ja aber es ist so des ... selbst zerstörendste Mittel, was du nehmen kannst.
00:15:04: Das ist wie so Giftnehmen?
00:15:05: Ja!
00:15:07: Naja aber für mich kam das nie in Frage weil ich immer dachte es gibt genug andere Dinge womit ich das irgendwie machen kann... Für
00:15:14: die Leute, die nicht wissen worum's geht, die Medikamente nicht zu nehmen diese Immunsubression reichen wir es nicht.
00:15:21: Zweiundsebzig, achtenvierzig Stunden aus wenn man sie nicht nimmt dass es ... ... mortalitäre Folgen hat.
00:15:28: haben kann.
00:15:31: Ja, zumindest so sehr dass man dann vielleicht irgendwie erste Abschlussungsreaktion hat oder was auch immer.
00:15:36: und klar es ist naiv vielleicht aber ich glaube für viele Jugendlichen vielleicht auch das einzige wo sie dann so ja
00:15:46: das Kontrolle haben?
00:15:47: Ja!
00:15:48: Oder das Bedürfnis nach Autonomien nachgehen können.
00:15:50: Also viele haben jahrelange Krankheitsgeschichten vielleicht schon hinter sich wo's immer darum ging zu tun, was andere von einem verlangen.
00:15:59: Also ich meine du weißt es genauso wie ich, wie's ist im Krankenhaus man hat keinerlei eigentlich Selbstbestimmung mehr.
00:16:06: also das kommt ja auch noch hinzu.
00:16:08: deswegen Ja finde ich find' ich ein spannendes Thema so gerade so Pubertät, Autonomie Abhängigkeit dieses
00:16:18: Ziegespalten.
00:16:18: Okay konkret Wie können jugendliche Autonomien leben als Transplantierte?
00:16:26: Die Antwort kommt von einer bald abprobierten Psychologin.
00:16:29: Jetzt!
00:16:29: Ja bitte noch nicht,
00:16:31: aber nee
00:16:32: ich will jetzt sich den Teufel an die Wand malen.
00:16:34: Wenn da hab' ich die Papropos und dann
00:16:35: nicht... Von einer maßhab studiertem PsychologInn?
00:16:38: Ja
00:16:38: genau.
00:16:39: MSC... Das bin ich immerhin schonmal.
00:16:43: Ähm oh Gott.
00:16:45: äh ja also einfach Ich glaube Nicht mit den Medikamenten bitte.
00:16:51: Also das ist so eines der Haupt... Aber
00:16:52: wie können Sie?
00:16:53: Wie nicht wissen wir es
00:16:54: klar?!
00:16:55: Aber wie kann?
00:16:57: Naja, ich glaube eben und deswegen war ich vorhin so skeptisch mit der Schule.
00:17:00: Ich glaube die Dinge, die ganz normale andere TeenagerInnen auch machen würden also sich trauen auch mal etwas zu tun was vielleicht außerhalb des Rahms ist mal den Eltern zu widersprechen Mal wütend zu sein.
00:17:20: Ich weiß nicht, was machen denn normale Täter, wenn
00:17:23: sie pubertär
00:17:24: werden?
00:17:25: Keine Ahnung.
00:17:25: Mal über die Strenge schlagen.
00:17:29: zuhören, mal vielleicht meinetwegen auch mal ein Krankenhaustermin sausen lassen.
00:17:34: Ja also ich habe mir im Laufe der Jahre auch angewöhnt nicht immer alles das zu tun was die Ärzte von wir verlangen ja auch dann mal zu sagen überbe ich jetzt kein Bock drauf oder will ich nicht?
00:17:43: Oder auch völlig in Ordnung wenn es bitte nicht Richtung Gesundheitsgefährdung geht.
00:17:49: Aber sonst glaube ich alles was dazu gehört was auch einen normaler Teenager machen würde so würde ich erst einmal sagen
00:17:59: Ja, ist glaube ich nicht einfach.
00:18:00: Nein!
00:18:01: Ist es nicht um Gottes Willen?
00:18:02: Weil man ja immer in diesem Gleichgewicht sein muss zwischen... Ich habe eigentlich so viele Verpflichtungen auch als Transmentierter und dann will ich aber eigentlich alles gar nicht.
00:18:15: Wie ist denn das Thema Freundschaft?
00:18:20: Genau Schule und Pubertät sind wir schon durchgewandert.
00:18:25: Freundschaft, was ist
00:18:27: die Frage?
00:18:27: Ja.
00:18:28: Also Freundschaft ist ja so mit Schule und Pubertät auch verbunden finde ich nämlich weil das ist auch ja so ein Thema wo ich sagen würde da könnte man ja auch in Richtung Autonomie gehen indem man irgendwie anfängt vielleicht auf Freundschaften zu pflegen die einen dann irgendwie auch aus seiner Komfortzone holen usw.
00:18:45: Würdest du da sagen es ist ein Vorteil dass kranke Jugendliche nenne ich jetzt mal eher auch was mit kranken Jugendlichen zu tun haben oder gar nicht?
00:18:55: Beides.
00:18:56: Nein, voll natürlich!
00:18:58: Also ich kann... Ich weiß nicht ob der Vergleich hinkt aber ich habe einen Sohn der nicht weiß ist und natürlich hat er andere Vorbilder hier in Neukölln die wichtig sind für ihn und das ist ein Thema auf wenn er sieben Jahre erst ist, was schon immer in ihm arbeitet und da ist und man strebt natürlich immer glaube ich egal ob man krank ist oder irgendwas anderes hat, was nicht der Norm entspricht.
00:19:24: Auch innerhalb der Familie oder im Freundeskreis strebt man glaube ich schon irgendwie nach einer Einheit und Gleichheit.
00:19:32: Und wenn du die einzige Person bist, die halt immer wieder ins Krankenhaus muss und Blut abnehmen und mit Samtann schon angefasst wird dann ist es... Dann isst man halt anders!
00:19:41: Mein Sohn?
00:19:43: Mein weißer Sohn, der hat sich gewünscht.
00:19:45: Er hatte auch gerne eine Transplantation.
00:19:48: Oh nein!
00:19:49: Ich hab die Scheiße miterlebt, das willst
00:19:51: du nicht?
00:19:51: Andererseits würde er dann halt auch ne andere Aufmerksamkeit kriegen.
00:19:55: Versteh
00:19:56: ich.
00:19:56: Also verstehe ich auch voll.
00:19:57: Ich verstehe diesen Gedanken von ihm zu sagen so irgendwie wäre er dann auch ein Held.
00:20:02: Ja
00:20:03: kann ich voll verstehen.
00:20:05: Das heißt, er ist wieder so der andere.
00:20:07: Alle haben irgendwas bei uns in einer Familie irgendwie.
00:20:09: Meine Tochter hat einen zweiten Geburtstag.
00:20:11: Mein Sohn mit einer anderen Hautfarbe, der hatte natürlich auch einen zweiten Geburtsdag, weil der an einem Tag zu uns gekommen ist, wo er nicht geboren wurde und so.
00:20:17: Und dann hast du halt noch den Trischen, der halt nichts hat.
00:20:20: Irgendwie so ... Er hatte deinen Fahrradunfall zum Glück.
00:20:24: Zum Glück?
00:20:25: Na dann ist er ja gerettet!
00:20:26: Das ist sein Geburtstags-Tag extra.
00:20:30: Deine erste Frage war, weil da hat sie so eine Platzwunde irgendwie an der Stirn.
00:20:33: Wird das ne Narbe?
00:20:34: Und die Ärzte, sie hat nur so ein bisschen ... Yes!
00:20:35: Oh Gott, oh
00:20:37: nein, wie traurig eigentlich.
00:20:43: Ja aber so Thema Geschwisterkinder ist glaube ich auch noch mal so ein Thema für eine ganz eigene Folge.
00:20:48: Also es ist ... Die schaden Kinder.
00:20:51: Ja ja, es ist viel Thema tatsächlich.
00:20:55: Sollte's auch sein.
00:20:55: Punkto-Narbe
00:20:58: Das ist ja auch so ein Thema.
00:20:59: Ist das ein Thema beim Maler?
00:21:01: Ja, sie liebt ihre Narbe.
00:21:05: Also ich hab festgestellt es gibt wenig Mittelmaß.
00:21:09: also Leute lieben ihren Narbe oder mögen die nicht?
00:21:12: Echt?
00:21:14: Kennst du welche diese gar nicht mögen?
00:21:16: Ja schon!
00:21:17: Ach
00:21:17: krass!
00:21:19: Nee, ist jetzt nicht...
00:21:20: Auch spannend
00:21:21: ne?!
00:21:23: Ich habe sie tatsächlich nie so richtig, ich hab ja den ganzen Oberkörper gefühlt voll.
00:21:26: Ich habe es irgendwie nicht so richtig beachtet also...
00:21:29: Na zum Beispiel hatte ich einen hier im Podcast der, also eben nicht hier im podcast sondern bei das Wunder Transplantation wir wollen ja mal differenzieren.
00:21:35: Ja
00:21:36: sehr
00:21:36: gut!
00:21:37: Der genau hat sich im Freibad dann halt nicht Oberkörpers zeigen wollen.
00:21:42: Achso stark auch?
00:21:44: Okay.
00:21:44: Irgendwann meinte der Bruder ist scheiß egal, jeder hatte
00:21:46: irgendwas oder so
00:21:47: und dann war's besser.
00:21:49: war auch nicht nur wegen der Narbe, aber auch.
00:21:51: Wobei ich mal vor einem dreiviertel Jahr oder so eine Story bei Instagram gesehen habe wo die Mutter sich beschwert hat dass ihr Sohn im Freibad angesprochen wurde auf die Herznarbe und wo er irgendwie so einen dumm Anmachspruch bekommen hat von so ein älteren Mann sogar das er sich bitte hier nicht so freizügig mit seinen Namen zeigen sollte.
00:22:11: der Sohn war zwölf als
00:22:12: Witz?
00:22:14: Ernst gemeint, ja.
00:22:15: Also der Sohn war zwölf im Pool in Freiburg und da kam ein etterer Mann und meinte so dass er sich doch bitte hier nicht so freizügig mit seinen Narben zeigen sollen... ...und das fand ich schon ganz schön hart geworden.
00:22:25: Das hat die Mutter halt geteilt bei Instagram weil sie es so schockieren fand.
00:22:30: Ja, fand ich
00:22:31: okay!
00:22:33: Ich bin ja nicht aggressiv, aber da hätte ich doch Lust, den Mann auch ein paar Narben zuzuführen.
00:22:39: Vor allem was man da für einen Schaden anrichtet.
00:22:41: Ja
00:22:41: voll!
00:22:42: Das
00:22:43: ist ja auch so...
00:22:45: Aber bei sowas, da werde ich Berliner hat, das ist schön.
00:22:48: Da kann ich vielleicht voll auf der Haut sein.
00:22:50: Das ist glaube
00:22:50: ich nicht so'n berliner Ding, sondern ein menschliches Ding.
00:22:54: Aggressiv zu werden
00:22:55: und Sport zu drücken?
00:22:56: Na ja bei sowahs, das finde ich schon ratbar.
00:22:59: Wir sind schon fast am Ende der Folge.
00:23:02: Sehr gut!
00:23:04: Wir sind gerade gut durch Schulefreundschaft und Pubertät gekommen, finde ich.
00:23:07: Ja,
00:23:08: finde auch.
00:23:09: Die nächste Folge werden wir sie chronologisch abfeuern heißt Schuldgefühle gegenüber dem Spender und anderen Betroffenen.
00:23:16: Survivors gilt bei Kindern und Erwachsenen.
00:23:19: Find' ich mega spannendes Thema.
00:23:21: Ich freu mich drauf.
00:23:22: Und ich dachte, Tisa ist hier zum Schluss schon mal an?
00:23:24: Sehr gut.
00:23:26: Ansonsten... Genau, wer mich jetzt Komedien sehen will geht gerne auf Social Media.
00:23:31: Klickt auf gefällt mir hinterlässt einen Kommentar.
00:23:34: Kann auch gerne uns den Kaffee ausgeben zurzeit noch unter www.bymeacoffi.com slash Archiklub.
00:23:40: Möchtest du Werbung machen?
00:23:42: Ja ihr könnt mich auch gerne auf social media unterstützen.
00:23:44: und der Anna Karwagener.
00:23:45: ich freue mich über jeden Follower von euch und ja bin gespannt auf die nächste Folge schon!
00:23:50: Ja dann euch noch ein schönen Tag tschüss
00:23:52: bis dann.
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